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Mailserver 2026: Warum ich nach allen Ausflügen wieder bei Mailcow gelandet bin

Mailserver 2026: Warum ich nach allen Ausflügen wieder bei Mailcow gelandet bin

Einen Mailserver betreibe ich seit über 20 Jahren. Postfix, Dovecot, später dann Mailcow, zwischendurch Ausflüge zu Stalwart und Mox – und am Ende wieder zurück bei Mailcow. Warum, erkläre ich in diesem Beitrag.

Der Klassiker: Postfix + Dovecot

Das traditionelle Setup: Postfix als MTA (Message Transfer Agent), Dovecot für IMAP/POP3, dazu Spamassassin oder Rspamd, OpenDKIM, OpenDMARC, ein SQL-Server für die Benutzerdatenbank und ein Webmailer wie Roundcube oder SOGo.

# typische main.cf – nach 20 Jahren angesammelt
smtpd_recipient_restrictions =
    permit_mynetworks,
    reject_unauth_destination,
    reject_rbl_client zen.spamhaus.org
Komponente Aufgabe
Postfix SMTP-Ein- und -Ausgang
Dovecot IMAP/POP3-Zugriff
Rspamd Spam-Erkennung
OpenDKIM DKIM-Signierung
SQL-Datenbank Benutzer, Domains, Aliase
Webmailer Roundcube / SOGo

Vorteile:

  • Absolute Kontrolle über jede einzelne Komponente
  • Läuft auf jeder Kiste, kein Docker nötig
  • Riesiges Wissen in Foren und Dokus

Nachteile:

  • Jede Komponente einzeln konfigurieren, tunen, updaten
  • Schon ein simpler Fehler in Postfix kann zum offenen Relay führen
  • Monitoring von sechs+ Diensten nötig
  • Templates, automount, eigenes Backup-Scripting

Ich bin damit groß geworden. Aber irgendwann will man einfach nur E-Mail verschicken und empfangen, ohne sein halbes Leben mit Postfix-main.cf- Optimierung zu verbringen.

Mailcow – die Rundum-Sorglos-Lösung

Mailcow ist ein Docker-Compose-Stack, der alles mitbringt: Postfix, Dovecot, Rspamd, SOGo, ein Admin-UI, ein API, autokonfigurierte DKIM/SPF/DMARC, CalDAV/CardDAV – und ein Update-Script, das einfach funktioniert.

git clone https://github.com/mailcow/mailcow-dockerized
cd mailcow-dockerized
./generate_config.sh
docker compose pull
docker compose up -d

Nach 10 Minuten läuft ein kompletter Mailserver. Im Admin-UI legst du Domains und Postfächer an, konfigurierst Aliase, setzt Limits – alles ohne eine Config-Datei anzufassen.

  • Mit Abstand das kompletteste Gesamtpaket: MTA, MDA, Spamfilter, Webmail,
  • Docker-basiert aber nicht abstrakt – man kann Postfix-Konfiguration

Vorteile: Admin-UI, API, Auto-Konfiguration, App-Passwörter, Zwei-Faktor-Auth, Syncjobs anpassen, wenn man will

  • Sehr aktive Entwicklung (GitHub), regelmäßige Releases
  • Große Community, viele vorhandene Anleitungen

Nachteile:

  • Braucht Docker und etwas Ressourcen (~2 GB RAM)
  • Komplexes Stack-Update (aber dank update.sh gut beherrschbar)
  • Nicht jede Spezialkonfiguration ist über das UI abbildbar

Stalwart – modern, aber mit Bezahlschranke

Stalwart ist ein in Rust geschriebener Mailserver, der MTA und MDA (IMAP) in einem einzigen Binary vereint. Alles aus einer Hand, kein Postfix, kein Dovecot, kein Rspamd extra.

# Installation (Linux)
curl -sSL https://stalw.art/install.sh | sh

Vorteile:

  • Extrem performant (Rust, async)
  • Ein Binary, einfaches Deployment
  • Modernes Konzept (JMAP-Unterstützung, integrierter Spamfilter)
  • Webbasiertes Admin-Interface (in der Free-Version aber ohne Monitoring)

Nachteil, der für mich den Ausschlag gegeben hat: Die Basis-Funktionen sind in der kostenlosen Version nutzbar – Multi-Domain und mehrere Postfächer gehen. Aber sobald du sehen willst, was dein Server eigentlich tut, steht die Bezahlschranke im Weg. Die Monitoring-Funktionen sind nahezu komplett hinter dem Enterprise-Abo versteckt: Keine Übersicht über ein- und ausgehende E-Mails, keine Spamfilter-Statistiken, kein Dashboard, das dir zeigt, ob alles läuft. Du fliegst blind.

Ich will meinen Mailserver nicht per Subscription mieten. Einmal kaufen – ok. Aber monatlich zahlen für etwas, das ich selbst hoste, nur um zu sehen, ob Mails ankommen? Nein.

Feature Free Enterprise
Multi-Domain
SMTP/IMAP
Monitoring/Dashboard
Spamfilter-Statistiken
Management API
Preis 0 € monatl. Abo

Mox – mutig, aber ein Einzelkämpfer

Mox ist ein weiterer All-in-One-Mailserver, ebenfalls in Go geschrieben. Entwickelt wird er im Wesentlichen von einer Person. Das Konzept ist überzeugend: Ein Binary, das alle Mail-Komponenten abdeckt – SMTP, IMAP, Webmail, DKIM, DMARC, SPF, alles inklusive.

mox quickstart me@beispiel.de

Vorteile:

  • Erstaunlich guter Quickstart
  • SMTP-out funktioniert out-of-the-box
  • Minimaler Ressourcenverbrauch
  • Webbasiertes Admin-Interface (spärlich, aber funktional)

Nachteil: Ein Entwickler. Wenn er keine Lust mehr hat, krank wird oder das Projekt einfach liegen lässt, stehst du da. Bei einem Mailserver, auf den private Kommunikation und kritische Infrastruktur angewiesen sind, ist das ein Risiko, das ich nicht eingehen will.

Ich habe Mox getestet – es funktioniert erstaunlich gut für ein so junges Projekt. Aber als primären Mailserver für mehrere Domains und Benutzer kommt es für mich nicht in Frage.

Warum ich wieder bei Mailcow bin

Kriterium Postfix/Dovecot Mailcow Stalwart Mox
Komplettheit selbst zusammensuchen alles dabei basic basic
Multi-Domain aufwändig UI grundsätzlich
Monitoring Logs selbst bauen Dashboard nur Enterprise Logs
Admin-UI nein ja, vollständig ja, aber eingeschränkt ja, aber spärlich
Docker optional ja nein nein
Kosten 0 0 Abo für Features 0
Entwickler-Team groß groß klein eine Person
Lernkurve steil flach mittel mittel

Mailcow ist nicht perfekt. Es braucht Docker, es braucht RAM, und gelegentlich tut sich ein Container nach einem Update schwer. Aber es ist das **einzige System, das alles aus einer Hand liefert**: MTA, MDA, Spamfilter, Webmail, Admin-UI, Kalender, Kontakte, App-Passwörter, Zwei-Faktor-Auth, DKIM-Konfiguration im UI – und eine riesige Community dahinter.

Ich habe Postfix/Dovecot geliebt, aber es hat mich zu viel Zeit gekostet. Stalwart hätte das Zeug zum Nachfolger, aber die fehlenden Monitoring- Funktionen in der kostenlosen Version schließen es für mich aus. Mox ist ein sympathisches Projekt, aber als Einzelkämpfer zu riskant für meinen primären Mailserver.

Fazit

Mailcow fühlt sich an wie der Mittelweg, den man am Ende immer nimmt – und das ist ok. Es ist nicht der leichteste, nicht der modernste, nicht der hypigste Mailserver. Aber er ist der vollständigste, der am wenigsten Überraschungen bietet und bei dem ich nach einem Update nicht nächtelang in Logs starre.

Ich habe gelernt: Bei E-Mail will ich keine Experimente. Ich will, dass es funktioniert – heute, morgen und nächstes Jahr. Und das tut Mailcow.