Wer schon mal einen Plex- oder Emby-Server betrieben hat, kennt das Grundproblem: Irgendwann wird aus dem kostenlosen Mediacenter ein Abo, aus der lokalen App ein Cloud-Dienst, und plötzlich braucht man ein Konto, um die eigenen Filme abzuspielen. Jellyfin ist die Alternative: Open Source, kein Abo, keine Cloud. Einfach ein Server, der die eigenen Medien abspielt – mehr nicht.
Was ist Jellyfin?
Jellyfin ist ein freier Mediaserver, der Filme, Serien, Musik und Hörbücher verwaltet und über Apps auf allen Geräten abspielt. Es ist ein Fork von Emby, nachdem dieses proprietär geworden ist. Die Architektur ist simpel:
- Server läuft auf dem Homeserver
- Apps gibt es für Android, iOS, Smart TVs, Webbrowser
- Datenbank speichert Metadaten, Cover, Fortschritte
- Transcoding passiert auf dem Server (oder wird delegiert)
apk add jellyfin
Oder via Docker:
services:
jellyfin:
image: jellyfin/jellyfin
volumes:
- ./config:/config
- /mnt/media:/media
ports:
- 8096:8096
Nach dem Start erreichst du die Weboberfläche unter http://. Die Ersteinrichtung dauert drei Minuten: Sprache wählen, Medienordner angeben, fertig.
Jellyfin vs. Plex vs. Emby
| Aspekt | Jellyfin | Plex | Emby |
|---|---|---|---|
| Preis | Kostenlos | Freemium (Plex Pass) | Freemium |
| Quellcode | Open Source | Proprietär | Proprietär |
| Server auf meinem Rechner | Ja | Ja | Ja |
| Abo nötig | Nein | Für einige Features | Für einige Features |
| Account nötig | Nein | Ja | Ja |
| Transcoding | Ja | Ja | Ja |
| Hardware-Transcoding | Ja (VAAPI, NVENC) | Ja (nur mit Pass) | Ja (nur mit Pass) |
| Plugins | Ja | Begrenzt | Ja |
| Mobile Apps | Kostenlos | Freemium | Freemium |
| Community | Aktiv | Groß | Kleiner |
Der entscheidende Unterschied: Bei Jellyfin gehört dir der komplette Stack. Kein Konto, kein Abo, keine Feature-Schranken. Bei Plex braucht man für Hardware-Transcoding den Plex Pass – bei Jellyfin geht das gratis.
Installation auf Alpine
Alpine ist schlank, Jellyfin passt da hinein. Im Incus-LXC-Container:
apk add jellyfin
rc-update add jellyfin default
rc-service jellyfin start
Fertig. Die Weboberfläche ist unter Port 8096 erreichbar. Wer einen Reverse Proxy davorstellen will (HTTPS, saubere URLs):
media.frischux.de {
reverse_proxy localhost:8096
}
Medienordner einbinden
In der Weboberfläche unter *Einstellungen → Medien* die Ordner angeben:
/media/filme– Filme/media/serien– Serien/media/musik– Musik
Jellyfin scannt die Bibliothek automatisch durch und lädt Metadaten ( Cover, Beschreibungen, Bewertungen) von TheMovieDB / TheTVDB.
Funktionen
Automatische Metadaten
Jellyfin erkennt Filme und Serien anhand der Dateinamen und lädt automatisch Cover, Beschreibungen, Schauspieler und Bewertungen. Die Erkennung funktioniert erstaunlich gut – selbst bei kryptischen Dateinamen wie Inception.2010.1080p.BluRay.x264-GROUP.mkv.
Hardware-Transcoding
Wenn ein Gerät ein Videoformat nicht abspielen kann, transkodiert Jellyfin es in Echtzeit. Mit VAAINT (Intel) oder NVENC (NVIDIA) läuft das auf der GPU, ohne die CPU zu belasten:
# VAAINT für Intel-GPUs
apk add mesa-dri-gallium
In den Einstellungen unter *Transcoding → Hardware-Encoding* aktivieren.
Watchstate
Jellyfin merkt sich, wo man bei einem Film oder einer Serie aufgehört hat. Der Fortschritt synchronisiert sich zwischen allen Geräten – handy, TV, Browser.
Musik und Hörbücher
Nicht nur Video: Jellyfin verwaltet auch Musiksammlungen mit Cover-Art, Wiedergabelisten und Equalizer. Hörbücher werden mit Kapitelmarken unterstützt.
Plugins
Die Community hat Plugins für fast alles:
- Intro Skipper – Serien-Intros überspringen
- Discord Rich Presence – anzeigen, was man gerade schaut
- Jellyseerr – Anforderungs-Management (wie Overseerr)
- Trakt – Sync mit Trakt.tv
Plugins werden direkt über die Weboberfläche installiert.
Der Server
Jellyfin ist nicht ganz so ressourcenhungrig wie Immich, aber für Hardware-Transcoding sollte die Grafikkarte stimmen:
| Komponente | Minimum | Empfohlen |
|---|---|---|
| CPU | 2 Kerne | 4 Kerne |
| RAM | 2 GB | 4 GB |
| GPU | Keine | Intel iGPU oder NVIDIA |
| Festplatte | beliebig | SSD für DB |
Mein Setup:
| Komponente | Ressource |
|---|---|
| CPU | 4 Kerne |
| RAM | 4 GB |
| GPU | Intel UHD (VAAINT) |
| Laufzeit | Incus-LXC (Alpine) |
| Reverse Proxy | Caddy |
| Backup | Restic (täglich) |
Was Jellyfin nicht kann
- Kein Streaming nach außen – ohne Tunnel oder VPN von unterwegs
- Kein Offline-Download für Mobile – anders als Plex gibt es
nicht erreichbar keinen offiziellen Offline-Modus (Workaround: Dateien manuell kopieren)
- Die Apps sind nicht so poliert wie die von Plex
Das sind Punkte, die mich aber nicht stören. Von unterwegs greife ich über Tailscale auf den Server zu, und Offline-Download brauche ich selten.
Fazit
Jellyfin ist das, was Plex eigentlich sein sollte: Ein Mediaserver, der die eigenen Medien abspielt, ohne Abo, ohne Konto, ohne Cloud-Abhängigkeit. Die Einrichtung dauert Minuten, die Wartung beschränkt sich auf Updates, und die Features reichen für den Privatgebrauch vollkommen aus.
Wer einen Mediaserver sucht, der einfach funktioniert und einem dabei nicht in die Tasche greift, ist mit Jellyfin gut beraten. Es ist nicht perfekt – aber es gehört einem. Und das zählt.
